Mit den letzten Kräften angekommen |
Matthias und Indra schlafen derweil wohl noch im kleinen Zelt auf dem Campeggio etwas außerhalb, für Pilger mit knapper Kasse und Hund oft die einzige Chance, um für die Nacht unterzukommen. Ich traf die beiden gestern Abend vor dem OPR und spürte gleich, dass ich mich getäuscht hatte - ich wurde erwartet. Der junge Pellegrino aus der Schweiz war auf fast den gleichen Wegen wie ich unterwegs, treu begleitet von seiner Hündin und natürlich Kees. Er ist jeden Meter zu Fuß gegangen, auch die erste Etappe und war mir die meiste Zeit zwei bis drei Tage voraus. Durch meinen Abkürzer über Moricone sind wir schließlich doch noch fast gemeinsam am großen Ziel angekommen.
Matthias und Indra |
Als erstes Ziel steuere ich heute - noch alleine - San Paolo fuori le mura an. Diese Basilika wurde mir von Harald sehr ans Herz gelegt. Unterwegs besorge ich mir am Bahnhof noch ein Zugticket für heute Abend bis München und lasse meinen Zaino in der Gepäckaufbewahrung. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, noch vier Tage in Rom zu verbringen. Der Trubel und die Massen von Menschen machen mich trübselig, ebenso wie die Sehnsucht nach der Familie. Daheim wissen sie nichts von meinem Plan und erwarten mich erst am kommenden Dienstag am Flughafen.
Die Basilika mit dem Paulusgrab und den Medaillen aller bisherigen Päpste kann mich nur kurz fesseln, nach der Asphalt-Etappe gestern schmerzen mir alle Knochen bis zur Hüfte, was in einem wohl etwas eigenartigen Gang resultiert. Doch der Garten der verträumten Benediktinerabtei lädt mich zu einer ruhigen Meditationsstunde ein, die in einem kleinem Resümee der Pilgerfahrt mündet.
Spirituell fühle ich mich viel mehr in Assisi als in Rom verortet, auch wenn ich von den Ideen des Franziskus weit entfernt lebe. Meine Befürchtungen vor der Reise hatten mit den Problemen unterwegs nur wenig gemeinsam, Sprache, Schuhe, Kondition und Wetter waren viel weniger das Thema als Orientierung und das Gefühl, unter vielen Menschen einsam zu sein. Die intensivsten Momente erlebte ich, als ich mich als ein Teil der Natur fühlen konnte - und in Gemeinschaft mit Menschen, die auch auf dem Weg waren, als Pilger oder als Suchende.
Was nun, Pellegrino? |
Doch mit dem Heiligen bin ich auch in guter Gesellschaft, was das Scheitern einer Mission angeht. Am Ende seines Lebens war er nicht sehr glücklich, wie sich die Angelegenheiten in seinem Orden entwickelten. Meiner unerfüllten Idee, auf dem Weg erkennen zu können, wie es weitergeht in meinem Leben, habe ich im Lateran eine Kerze geopfert. Alles was ich mitnehmen kann, ist die banale Erkenntnis: Das Suchen und das Gehen war für mich erfüllender als das Finden und Erreichen des Ziels.